Hintergrund: Zur Geschichte des Vereins Schulen ans Netz
Ans Netz!
Folgekosten des Internetzugangs als Hindernis für Entscheider
Hier waren alle gefragt, allen voran die Länder, die nicht nur ganz konkrete Vorstellungen davon hatten, welche finanziellen Leistungen oder Hardware- und Software-Leistungen an welche Schulen zu vergeben waren, sondern zum großen Teil auch eigene ergänzende Programme und weiterführende Initiativen in die Wege leiteten. Dann waren da Schulträger und Schulleiter, die sich erst einmal grundsätzlich mit neuen Medien in der Schule abfinden mussten, zusätzlich noch mit den Folgekosten für Hardware sowie mit den Folgekosten eines Internetzugangs auseinander setzen mussten.
Einstiegsprogramme und Modellförderungen brachten Schulen ins Internet
Vom Start weg war das Interesse an Schulen ans Netz groß. Alle allgemein- und berufsbildenden Schulen sowie Institute für Lehrerfortbildung konnten sich für verschiedene Förderprogramme bewerben: Einstiegsprogramme für Schulen ohne bzw. mit wenig Computererfahrung, Modellförderungen für erfahrene Kollegien und Lehrerfortbildungsveranstaltungen. Auf diese Weise konnten bereits 1996 rund 3.500 Schulen unterstützt werden. Bis Januar 2000 waren insgesamt 12.300 bundesdeutsche allgemein- und berufsbildende Schulen im Rahmen ihrer Förderung durch Schulen ans Netz e. V. ans Internet angeschlossen worden. Seit Februar 2000 stellte die Deutsche Telekom über die Initiative T@School allen Schulen einen T-Online-Zugang auf der Basis von ISDN oder DSL zur Verfügung. Bereits Ende 2001 war die erste Phase der Initiative Schulen ans Netz abgeschlossen. Alle Schulen waren nun am Netz.
Ansprüche an die pädagogische Qualität von Internetprojekten wachsen
Bereits auf der I. Fachtagung „Schulen ans Netz“ im Jahre 1996 ging es darum zu zeigen, dass die vom BMBF und der Deutschen Telekom AG getragene Initiative nicht nur dem Ziel diente, die Infrastruktur an Schulen zu verbessern und die Zahl von Internetanschlüssen zu erhöhen, sondern zugleich auch über Schulprojekte inhaltliche Konzepte zu fördern und in die Breite zu streuen.
Sie reichten von einfachen E-Mail- oder Homepage-Projekten über damals noch aufwendige Kooperationsprojekte z. B. mit anderen Schulen im europäischen Ausland zur Einrichtung einer Online-Travel-Agency im Internet bis zu komplizierten Internet-Radio-Projekten. Die Ansprüche an pädagogische Qualität, aber auch an Übertragbarkeit der Projekte sollte steigen. Seit dem Schuljahr 1997/98 lief die Sonderfördermaßnahme „InfoSCHUL“, in der es darum ging, Ansatzpunkte für den pädagogisch sinnvollen Einsatz elektronischer und multimedialer Informationsquellen im Unterricht aufzuzeigen und zu erproben.
Vom EDV-Lehrer zum medienkompetenten Kollegium
In den ersten Jahren des Computer- und Interneteinsatzes waren oftmals nur wenige Personen eines Kollegiums mit Fragen der Organisation und Durchführung von computergestütztem Unterricht befasst. „Von einer wirkungsvollen Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Schule kann aber erst sicherlich dann die Rede sein“, so schreiben Heike Hunneshagen und Renate Schulz-Zander in der Publikation „Schulen ans Netz. Evaluation – Empfehlungen“, „wenn diese mit einer gewissen Breitenwirkung zum Einsatz kommen.“
Zweite Phase startet mit Online-Diensten für das sinnvolle Unterrichten mit digitalen Medien
Es bedurfte also praxistauglicher Angebote für den Medieneinsatz in der schulischen Bildung. Dies beinhaltete sowohl Unterrichtsmaterialien als auch Kommunikations- und Arbeitsplattformen. Binnen weniger Jahre konnte der Verein seit 1998 mit seinen verschiedenen Online-Diensten den sinnvollen Einsatz der digitalen Medien in der pädagogischen Praxis vorantreiben: 1998 wurde das Internetportal Lehrer-Online geschaffen, das praxiserprobte Unterrichtseinheiten und Materialien für eine breite Spanne an Fächern bietet. 1999 folgte LeaNet, das Online-Angebot für Frauen in Schule in Bildung. Weitere Meilensteine auf dem Weg hin zu einem Kompetenzcenter für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien waren die Online-Community für Mädchen LizzyNet (2000), die virtuelle Arbeitsumgebung lo-net (2001) oder der Homepage-Generator Primolo (2001).
WebLOTSEN sind mit mobiler Fortbildungseinheit unterwegs
Auch auf dem Feld der Fortbildung wurde Schulen ans Netz zunehmend aktiv: Mit der mobilen Fortbildungseinheit, den WebLOTSEN, wurde seit 2002 mit bundesweiten Vor-Ort-Workshops in Schulen und Lehrerfortbildungsinstituten nicht nur im praxisnahen Umfeld geschult, sondern zugleich auch ein großer Kreis von Multiplikatoren für die Inhalte von Schulen ans Netz e. V. gewonnen. Ein anderes Beispiel sind geschlechtsspezifische Kurse, die mit dazu beitragen, dass Frauen ihre Distanz zu Technik abbauen und größeres Vertrauen in ihre Kompetenzen setzen. Angebote des Projektes LeaNet wurden als Online-Kurse mit Präsenzveranstaltungen gekoppelt.
Nach der Pionierphase wachsen die Ansprüche an Technik und Medienpädagogik
Die Pionierphase des Computereinsatzes in der Bildung ist vorbei. Der Einsatz digitaler Medien ist – cum grano salis - weitgehend Normalität geworden. Doch bedarf es weiterer Anstrengungen, den pädagogischen Mehrwert von PC und Internet nicht nur in der schulischen Praxis, sondern in allen Bildungsprozessen gebührend zu berücksichtigen. Bei der Administrierung schulischer Netzwerke müssen tragfähige, finanzierbare und vor allem benutzerfreundliche Lösungen gefunden und weiterentwickelt werden. Der Einsatz neuer Medien sollte auch noch stärker als bisher in die Lehreraus- und –fortbildung integriert werden. Eine höhere Kompetenz, das belegen Untersuchungen, motiviert auch, die neuen Medien verstärkt auch im Fachunterricht einzusetzen.
Schulen ans Netz greift mit neuen Projekten aktuelle gesellschaftliche Anforderungen auf
Die Bildungsdebatte, die seit der Veröffentlichung der PISA-Studie im Gange ist, hat in Deutschland die Lehr- und Lernkultur auf den Prüfstand gestellt. An die Stelle der alten Belehranstalt mit Frontalunterricht, so der Tenor der Forderungen, soll ein Lebensraum Schule treten, der dem selbstbestimmten und handlungsorientierten Lernen möglichst viel Raum bietet. Dafür bieten Computer und Internet Potenziale, die längst noch nicht ausgeschöpft sind. Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Lernleistungen stellt auch eine Herausforderung für die Medienpädagogik dar. Viele Bildungsexperten setzen ihre Hoffnungen auf Bildungsangebote, die sowohl informelle als auch formelle Lernprozesse ermöglichen. Im Bereich schulischen Lernens bietet das ganztägige Lernen große Potenziale, gerade auch für den Medieneinsatz – eine Schulform, die in Deutschland im internationalen Vergleich bislang noch nicht sehr stark vertreten ist. Mit neuen Projekten setzt Schulen ans Netz auf dem Gebiet des ganztägigen Lernens Akzente (Freie Lernorte – Raum für mehr), bietet Lernangebote für die Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (LIFT) oder ermöglicht Schulen den interkulturellen Austausch mit europäischen Partnerschulen (eTwinning).
Digitale Medien für Menschen jeden Alters zugänglich machen
2006 konnte Schulen sein zehnjähriges Bestehen feiern. Im Rahmen eines Festaktes in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom würdigten die Initiatoren die Arbeit des Vereins. Schulen ans Netz habe erheblich dazu beigetragen, digitale Medien zu einem festen Bestandteil des Schulunterrichts in Deutschland zu machen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan wies auf dem Festakt in Berlin auf die erweiterten Aufgabenbereiche des Vereins hin: „Wir sind bereit, gemeinsam mit der Deutschen Telekom und den Ländern eine neue Partnerschaft einzugehen. Dabei verfolgen wir das Ziel, die digitalen Medien für Menschen jeden Alters nutzbar zu machen.“ Für die Länder sprach sich die damalige KMK-Präsidentin Ute Erdsiek-Rave dafür aus, die Möglichkeiten, in der Anleitung zur eigenständigen, zielführenden und konzentrierten Recherche, in der selbstständigen Informationsverarbeitung und in der Nutzung der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten weiter auszubauen.
Ein Beispiel für die Neuausrichtung des Vereins stellt das neue Projekt BIBER dar: Erzieherinnen und Erziehern und auch Lehrkräften in Grundschulen werden Informations- und Qualifizierungsangebote zur Verfügung gestellt, die die berufsbezogene praktische Medienarbeit und zugleich den fachlichen Austausch mit und über digitale Medien fördern.

