Web 2.0 - eine pädagogische Herausforderung?

Artikel:
Gibt es überhaupt eine neue Ära des Internets? Wer
nutzt eigentlich Web 2.0? Folgt auf Web 2.0 bald Web
3.0? Fragen an Volker Rüddigkeit vom Hessischen Amt für
Lehrerbildung.




Schulen ans Netz: Im deutschen Blätterwald wird das Thema Web 2.0 euphorisch behandelt. Ist das Ihrer Ansicht nach begründet, gibt es überhaupt ein Web 2.0 im Sinne einer neuen Ära des Internets?

Volker Rüddigkeit: Ja , in der Tat gibt es neue Ära des Internets und die Veränderungen sind so vielschichtig, dass man sie nicht mit wenigen Worten beschreiben und vor allem vermitteln kann. Umso mehr bewundere ich Tim O’Reilly, dass er alle diese gravierenden Veränderungen stellvertretend mit einem einzigen Begriff, dem Synonym Web 2.0, beschreibt und damit ein sprachenübergreifendes Schlagwort für diese neue Ära des Internets gefunden hat. Mein einziger Einwand ist,  dass das neue Web 2.0 wesentlich mehr zu bieten hat, als es ein Versionssprung von 1.0 auf 2.0 vermuten lässt. Das „alte“ Internet bzw. das Web 1.0 – wie wir es heute rückblickend nennen – war ein multimediales Schaufenster und eine Abgabestelle für Daten aller Art, nicht mehr und nicht weniger! Wir konnten schauen und konsumieren respektive downloaden und dafür waren und sind ja auch immer noch die Vertriebswege des Internets ausgelegt: hohen Downloadraten stehen niedrige Uploadraten gegenüber. Interaktivität war nicht gefragt und fand ursprünglich nur für Insider in den Foren des Usenet und später für die „normalen“ Anwender lediglich in den zahlreichen Foren und Gästebüchern auf privaten und kommerziellen Internetseiten statt. Die eigene Homepage als die „klassische“ Möglichkeit, das Internet aktiv mitzugestalten, erforderte technisches Hintergrundwissen und oft waren noch organisatorische Hürden zu überwinden bis sie dann endlich „online“ war.  Gemäß dem Motto „Never change a running system“ blieb sie denn auch lange Zeit so und wurde nur sehr zögerlich verändert, gepflegte statische Interaktivität sozusagen!

Schulen ans Netz: Und worin liegt nun der ‚Sprung’ zum Web 2.0?

Volker Rüddigkeit: Hier ist Mitmachen angesagt und nur wenn der Konsument gleichzeitig zum Produzenten wird und selbst Inhalte einbringt, lebt, wirkt und funktioniert das „neue“ Internet. Die neuen Web 2.0-Technologien wie RSS, Mashups und Ajax, um die wichtigsten zu nennen, sind hier äußerst hilfreiche Wegbereiter, jeden, aber auch wirklich jeden Internetnutzer aktiv im Internet agieren zu lassen. Der oft missbrauchte und vielfach strapazierte Ausspruch: „Die Technik tritt in den Hintergrund“ trifft hier erstmals in vollem Umfang zu und demonstriert in den zahlreichen Web 2.0 - Anwendungen in der Tat den Sieg des Anwenders über die Technik. Lassen Sie mich das am Beispiel eines Blogs bzw. Weblogs erklären, mit über 150 Millionen Anwendungen die mit Abstand am häufigsten genutzte Web 2.0-Anwendung. Es erfordert fünf Minuten bei einem der zahlreichen Bloganbieter einen Blog einzurichten, die anschließende formale und inhaltliche Ausgestaltung lässt der Phantasie des Anwenders freien Lauf und reicht vom klassischen öffentlich gemachten Tagebuch über die eigene Homepage bis hin zum Fachportal. Aber das Web 2.0 hat noch wesentlich mehr zu bieten wie etwa Wissensmanagement mit RSS-Feeds und Social Bookmarking, Nutzung von Applikationen oder persönliche Desktops als Web 2.0-Dienste im Internet. Kurzum, es ist der Einstieg in das ubiquitous Computing! Mit ubiquitären Endgeräten nutzen wir ubiquitäre Internetzugänge, um unsere ubiquitär [engl. Ubiquitos = allgegenwärtig, bezeichnet die Allgegenwärtigkeit der Informationsverarbeitung im Alltag des Menschen] verfügbaren Programme und Daten zu nutzen. Erlauben Sie mir noch in diesem Zusammenhang den derzeitigen Hype um das neue Windows-Betriebssystem Vista zu kommentieren. Als Web 2.0-Anwender kann ich darüber nur schmunzeln. Alles, was ich benötige, ist ein Browser und einen Zugang zum Internet! Das Betriebssystem selbst ist für mich sekundär. Ein sozusagen notwendiges Übel, mehr nicht!

Schulen ans Netz: Nutzen wirklich schon viele User die interaktiven Möglichkeiten des Web, bloggen oder erstellen eigene Podcasts?

Volker Rüddigkeit: Nun, hier muss man differenzieren zwischen dem plakativen „lauten“ Web 2.0 und dem eher besinnlichen, aber nachhaltigen Web 2.0. Ich erlaube mir, eine philosophische Anleihe bei Nietzsche zu machen und spreche hier analog vom dionysischen und vom apollinischen Web 2.0., gleichsam Ekstase versus Intellekt als antagonistische Strömungen im Web. Video-Plattformen wie YouTube, wo täglich etwa 50.000 neue Videos eingestellt werden oder Selbstdarstellungs-Plattformen wie MySpace mit über 100 Millionen Mitgliedern stehen für das dionysische Web 2.0, wie auch ein Teil der über 150 Millionen Blogs. Hier geht es exzessiv zu, das Internet im Rauschzustand, alles ist erlaubt, um Aufsehen zu erregen und – wenn auch nur für 15 Minuten – im Netz berühmt zu werden. Urheber- oder gar persönliche Rechte werden großzügig interpretiert. Hier sorgt die ungebremste Darstellungs- und Mitteilungslust der Web 2.0-Gemeinde für eine rasant wachsende Zahl von interaktiven Nutzern. Kleiner, feiner, weiser, aber nachhaltiger ist das apollinische Web 2.0. Hier nutzen weit weniger Nutzer die faszinierenden Möglichkeiten der RSS-Feeds zur Kanalisierung und Sichtung von Informationen oder neue Möglichkeiten des Wissensmanagements in Verbindung mit Social Bookmarking. Aber es gibt auch erfreuliche Beispiele in der Bloggosphäre wie die zahlreichen Experten-Blogs oder thematisch orientierte Blogs eindrucksvoll belegen. Das zunehmende Angebot von Podcasts und Videocasts von Bildungseinrichtungen, Universitäten und Rundfunk- und Fernsehanstalten ermöglicht Lehren und Lernen unabhängig von Ort und Zeit, eben ubiquitär!

Schulen ans Netz: Und wie sieht es nun bei Lehrkräften aus?

Volker Rüddigkeit: Nun, hier sieht es düster aus. Die weitaus größte Gruppe der Web 2.0-Nutzer stellen die unter Dreißigjährigen und damit auch unsere Schüler. Lehrer selbst wissen vom Web 2.0 bisher herzlich wenig, wie ich es immer wieder selbst bei meinen Vorträgen zum Thema Web 2.0 erlebe. Das dionysische Web 2.0 kennen sie nicht und das apollinische Web 2.0 nutzen sie noch nicht! Wir haben etwa 750.000 Lehrer in Deutschland und nur etwa 100 davon führen nach meinen Recherchen ein Blog. Es erscheint fast schon peinlich, wenn immer wieder in allen Publikationen der sicher gut gemachte Blog des Herrn Rau als Beweis dafür herhalten muss, dass auch Lehrer bloggen oder die Elefantenklasse als Alibi für Blogs in der Grundschule herhalten muss! Besser sieht es mit Wikis aus, aber von Schweizer Verhältnissen, wo Wikis und Blogs schon in den Schulalltag eingezogen sind, können wir nur träumen. Mehr als einige wenige Leuchttürme haben wir nicht aufzuweisen.

Kurzum, anstelle von Web 2.0 gibt es bei uns Ahnungslosigkeit 2.0, und zwar angefangen von den Kultusministerien über die Schulämter bis hin zu den Schulen selbst. Während man in Unternehmen längst erkannt hat, welche Potenziale Blogs z.B. für die Öffentlichkeitsarbeit bieten, warte ich immer noch auf den ersten Kultusminister respektive Kultusministerin oder den ersten Schulleiter, der Eltern, Lehrer und Schüler via Blog informiert und damit zur Diskussion einlädt. Der Blog als quasi informelles Pendant zum Amtsblatt!

Schulen ans Netz: Wie nutzen Sie selber die neuen Funktionalitäten, sind Sie ein „Web 2.0er“?

Volker Rüddigkeit: Ja, ich habe etwas skeptisch vor über einem Jahr begonnen, Web 2.0-Dienste zu nutzen und bin mittlerweile Überzeugungstäter. Mich faszinieren die Anfänge des semantischen Webs, mit Hilfe der RSS-Technik maschinenlesbare Dateien zu erzeugen und ebenso auswerten zu lassen. Ich habe in meinem Feedreader derzeit über 40 Internetseiten abonniert, darunter viele Blogs, und lasse die Informationen zu mir fließen. Früher musste ich die betreffenden Seiten aufsuchen und mir die Neuigkeiten mühsam herauspicken. Es war schon eine Hilfe, wenn einige der Seiten einen Newsletter-Dienst anboten, aber heute kann ich alle Neuigkeiten in einem Bruchteil der Zeit sichten und vor allem zeitnah verwerten. Ich habe so das beruhigende Gefühl, immer auf dem Laufenden zu sein!

Meine Bookmarks speichere ich im Internet, wie sich übrigens jeder unter del.icio.us/voru überzeugen kann. Ich mache sie öffentlich und nutze die ebenfalls öffentlich gemachten Bookmarks anderer Nutzer als eine wirklich qualitative Informationsquelle. Ich profitiere so von der Interaktivität der anderen Nutzer. Auch das Taggen möchte ich nicht mehr missen, weil es im Gegensatz zum hierarchischen Einordnen von Informationen eher meinem Denken und Arbeiten entspricht. Meinen persönlichen Desktop habe ich bei Google eingerichtet und kann dort z.B. auch meinen Terminkalender meinen Kollegen verfügbar machen. Meine Schüler leite ich an, Blogs zu führen und für Gruppen- und Projektarbeiten Wikis zu benutzen. Zum Austausch von Daten verwende ich beruflich wie privat Online-Plattformen im Internet.

Schulen ans Netz: Sehen Sie auch Gefahren der neuen Interaktivität?

Volker Rüddigkeit: Ja, und ich möchte sie einmal auf unser Klientel, die Schülerinnen und Schüler, beschränken. Es wird allzu sorglos mit privaten Daten umgegangen. Jugendliche sollten genau bedenken, wie weit sie sich in der virtuellen Welt des Web 2.0 real darstellen. Alle persönliche Angaben wie Realname, Anschrift, Handy-Nummer sollten sorgsam bedacht werden, das Gleiche gilt für die Veröffentlichung von Fotos. Die Abzocker, Abmahner und die Armee der pädophilen Schmutzfinken haben auch das Web 2.0 als ergiebiges Betätigungsfeld entdeckt. Hier gilt es, Kinder und Jugendliche zu kritischen medienkompetenten Nutzern im Web 2.0 zu erziehen!

Schulen ans Netz: Was sind denn nun die Herausforderungen speziell für die Pädagogik? Im Bereich Journalismus wird ja befürchtet, dass der selber schreibende und veröffentlichende User den professionellen Schreiber überflüssig machen könnte. Macht der kompetente und sich selbst organisierende Lernende den (Medien)Pädagogen überflüssig?

Volker Rüddigkeit: Genauso wenig wie Journalisten fürchten müssen, durch Blogger quasi überflüssig zu werden, müssen Lehrer im kompetenten und sich selbst organisierenden Lernenden keinen Angriff auf ihr ureigenstes Betätigungsfeld sehen. Im Gegenteil, endlich kann „Blended Learning“ Realität werden. Der Lernraum Schule, wo in der Regel Präsensunterricht stattfindet, wird erweitert um die häusliche Umgebung, wo in der Tat das Lernen mit digitalen Medien selbst organisiert werden muss. Und hierzu bedarf es kompetenter Medienpädagogen, die den Schüler als Medien-Koordinator begleiten, kompetenzorientierte Lernprozesse anstoßen und ihn dazu befähigen, informelle Lernmöglichkeiten zu nutzen und damit Lernen selbst zu organisieren. Mit den Möglichkeiten des Web 2.0 können hier enorme Potenziale genutzt werden, auch die Interaktivität zwischen den Lernenden zu fördern. wie z.B. Blogs als unterrichtsbegleitende Lerntagebücher oder Wikis, um den Lernfortschritt zu dokumentieren. Ganz zu schweigen von Unterrichtssequenzen und den zahlreichen thematisch aufbereiteten audiovisuellen Medien, die als Podcasts und Videocasts den Schülern jederzeit zur Verfügung stehen und ein orts- und zeitunabhängiges Lernen ermöglichen.

Schulen ans Netz: Wie könnten denn beispielsweise Blogs, Podcasts oder Wikis konkret im Unterricht eingesetzt werden?

Volker Rüddigkeit: Nun, Blogs, Wikis oder Podcasts sind letztlich nur Werkzeuge, wichtig sind die Ideen dahinter und die Potenziale, die daraus für den Unterricht erwachsen. Der Königsweg ist m.E. die Lehreraus- und fortbildung, hier muss man schnellstens auf die neue Interaktivität im Web 2.0 reagieren. Nur wenn Lehrer für ihre eigene Fort- und Weiterbildung Blogs, Wikis, Webquests und Podcasts einsetzen, also E-Learning 2.0 praktizieren, und z.B. Social Bookmarking als Bereicherung für ihr persönliches Wissensmanagement erfahren, können sie diese medienpädagogischen Innovationen überzeugend und nachhaltig in schulische Lernumgebungen einbringen und situativ im Unterricht anwenden.

Aber, da ja im Web 2.0 selbstorganisiertes Lernen angesagt ist, können alle interessierten Lehrer sofort damit beginnen. In meinem Web 2.0-Artikel und bei del.icio.us/voru (Beispiel: tags:blog, wiki, Podcast bzw. related tags:schule, unterricht) finden sie zahlreiche Hinweise und Links auf Unterrichtsbeispiele und didaktisch und methodisch gut aufbereitete Broschüren. Ein guter erster Schritt wäre übrigens auch, die Feeds von „Schulen ans Netz“ und „Lehrer-Online“ und weiterer medienpädagogisch orientierter Internetseiten und Blogs zu abonnieren und sich so automatisch über alle Neuigkeiten informieren zu lassen.

Schulen ans Netz: Prof. Michael Kerres von der Uni Duisburg-Essen sieht die Idee des Web 2.0 dann realisiert, wenn Lernplattformen nicht mehr wie „Inseln“ im Netz mühsam Inhalte anbieten, sondern vielmehr als Portale den Zugang zum kompletten Angebot des Internets gewährleisten und damit der User sich gewissermaßen seine eigene Lernumgebung kreiert. Würden Sie dem zustimmen?

Volker Rüddigkeit: Michael Kerres moniert zu Recht, dass im traditionellen E-Learning Lernplattformen entwickelt wurden und immer noch werden, die alle Möglichkeiten, die uns das Web 2.0 bietet, schlichtweg ignorieren. Es sind Inseln, genauer gesagt „Daten-Inseln“, die durch zusätzliche Features wie Terminkalender, Foren oder Wikis versuchen, die Bezeichnung Lernplattformform zu rechtfertigen. Es sind aber in der Tat „Lehrplattformen“, denn sie werden von Lehrern eingerichtet bzw. organisiert und Lehrer nutzen in erster Linie diese Lehrplattformen, um Inhalte einzustellen, damit die Schüler sie herunterladen und bearbeiten können. Es ist gleichsam die Fortsetzung der Bewahrpädagogik mit digitalen Mitteln. Wurden früher die Inhalte kopiert, geheftet und gelocht vom Lehrer an die Schüler verteilt, so werden heute diese Inhalte in digitaler Form via Internet bereitgestellt. Was nach Fortschritt und Innovation aussieht, reduziert sich lediglich auf eine zeitgemäße Nutzung von Datenträgern und Transportwegen für die gleichen Inhalte! Kerres spricht hier von einem „Datengrab“ ohne Leben und davon, dass sich gleich nebenan im Internet auf den vielen Homepages, Blogs und Communities das Leben abspiele, auf denen sich Lernende über alle möglichen Dinge des Lebens aktiv austauschen könnten.

Schulen ans Netz: Und wie könnte eine Lernplattform im Web 2.0 aussehen?

Volker Rüddigkeit: Im Web 2.0 hat der Lernende völlig andere Möglichkeiten: er muss keine von Lehrern strukturierte „Lehrplattformen“ mehr aufsuchen und Inhalte herunterladen, sondern kann sich seine eigene „Lernplattform“ organisieren und individuell gestalten. Die Technologien des Web 2.0 machen es möglich, via Mashups seinen eigenen Desktop im Internet (wie z.B. den Google-Desktop) gleichzeitig mit einem persönlichen Lernportal zu vereinen. Die RSS-Technik sorgt dafür, dass Inhalte und Informationen aus unterschiedlichen Quellen zum Lernenden kommen und in seinem Lernportal aggregiert werden. Für die Entwickler von Lernplattformen respektive „Lehrplattformen“ wie etwa dem LO-NET2 bedeutet dies, dass die jetzige strenge Struktur gelockert wird und die Plattform vom Lehrer durch den Einsatz von Web 2.0-Technologien für seine und die Bedürfnisse seiner Schüler frei konfigurierbar sein muss. Der Schüler sucht nicht das LO-NET auf, sondern das LO-NET kommt zum Schüler! Er kann dann die für ihn relevanten Inhalte auswählen und via Web 2.0-Technologien in seinen persönlichen Desktop respektive sein Lernportal einfließen lassen. Soweit die mehr formelle Seite des Lernens, darüber hinaus kann sich der Schüler im Sinne eines informellen Lernens überall im Web bedienen und Inhalte von Homepages, Communities, Blogs, Wikis und Podcasts von beliebigen Autoren als Mashups, Feeds und Links in sein Lernportal einbinden.

Ich experimentiere übrigens derzeit mit solchen persönlichen Lernplattformen und versuche sie nur mit frei verfügbaren und kostenlosen Web 2.0-Diensten zu realisieren. Was mich dabei am meisten fasziniert ist, dass man Lernumgebungen kreieren kann, ohne bestehende Strukturen in den Schulen zu verändern oder gar lokale Software einzurichten. Es kostet nichts, man kann sofort beginnen und – falls es dann doch nicht so funktioniert – ist es ja nur virtuell und findet im Browser statt!

Vor diesem Hintergrund halte ich es auch für einen Anachronismus, wenn heute seitens der Kultusministerien und der Schulträger immer noch wie vor 15 Jahren serverbasierte schulische Netzwerke propagiert werden, die einen enormen Investitions- und Wartungsaufwand erfordern und nur einen orts- und zeitgebundenen Zugriff auf die schulischen Daten erlauben. Dagegen sind ja die „Dateninseln im Internet“, die Kerres zu Recht kritisiert, geradezu fortschrittlich!

Schulen ans Netz: Kann man jetzt schon einen Ausblick auf ein „Web 3.0“ wagen? Wie wird die digitale Welt von morgen aussehen, wie wird es Web 2.0 übertreffen?

Volker Rüddigkeit: Bevor wir über das Web 3.0 und was immer es uns bringen wird spekulieren, wäre es zu schön, wenn in absehbarer Zeit alle Schüler, aber noch mehr die Lehrer erst einmal im Web 2.0 ankommen würden. Aber man muss ja auch die Zukunft im Auge haben und hier sehe ich das semantische Web als Weiterentwicklung des Web 2.0. Was im Web 2.0 mit der Generierung von maschinenlesbaren Dateien – wir nutzen sie derzeit als Feeds zur automatisierten Sichtung von Informationen  – begonnen hat, wird im Web 3.0 seine Fortsetzung finden und in erster Linie die Arbeitsweise der Suchmaschinen revolutionieren. Statt wie derzeit noch Suchmaschinen mit Zeichenketten zu füttern, werden wir im Web 3.0 semantische Suchmaschinen nutzen, die Anfragen aufgrund ihres Bedeutungsinhalts anstelle ihrer Schreibweise bearbeiten. Also dem, was uns die Protagonisten der Künstlichen Intelligenz bereits vor 25 Jahren versprochen haben, wird das Web 3.0 ein wenig näher kommen!

Das Gespräch führte Dirk Frank

Ihre Ansprechperson
Dr. Dirk Frank
E-Mail Adresse:dirk.frank
Telefonnummer:+49 (0)228 910 48 276


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