"Kaum Medienbildung in Kitas"
Der Erzieherberuf wandelt sich. Angesichts vieler neuer Aufgaben kommt die Medienbildung manchmal zu kurz, sagt der Erziehungswissenschaftler Norbert Neuß. Deshalb setzt er sich für mehr Medienpädagogik in der Ausbildung ein.

Prof. Dr. Norbert Neuß nahm am 14. September 2011 in Bonn an der Podiumsdiskussion "Herausforderung zukunftsgewandte Ausbildung – Schwierigkeiten und Chancen für Fach- und Hochschulen" teil. Die Diskussion war Teil der Fachtagung "Bildungsberufe im Wandel".
Mehr über die Tagung
Wie viel Medienkompetenz bringen Studierende heute mit? Welche Haltung gegenüber den Medien beobachten Sie bei Ihren Studierenden?
Die Medienkompetenz von Studierenden basiert heute auf ihren eigenen Mediennutzungsgewohnheiten. Sie nutzen neben den klassischen Unterhaltungsmedien auch das Internet, das Handy und die sozialen Netzwerke wie StudiVZ und Facebook. Auch die Nutzung des Computers als Informations- und Präsentationsmedium ist Usus. Während aber der Nutzen der Medien im eigenen Alltag eher selbstverständlich stattfindet, sind Studierende der Pädagogik oftmals gegenüber der Nutzung von Medien in pädagogischen Handlungssituationen skeptisch eingestellt.
Welche Bedeutung messen Sie dem Medieneinsatz und der Medienbildung in den Kitas bei?
Medienbildung sollte heute ein eigenständiger Bildungsbereich sein. Gerade die gestalterischen Zugänge zur Medienkompetenz sind zentral für die Arbeit in Kindertagesstätten. Aber genau auf diesem Gebiet fehlt es angehenden Pädagoginnen und Pädagogen oftmals an Erfahrung. Um mit Kindern einen Trickfilm zu gestalten oder ein Fotoprojekt zu initiieren, bedarf es Überwindung. Hinzu kommt eine medienskeptische Haltung, die die "unmittelbare Naturerfahrung" von Kindern hervorhebt – nach dem Motto: "Kinder sollen heute Erfahrungen aus erster Hand machen."
Wie ist die Vermittlung von Medienkompetenz und mediendidaktischen Fähigkeiten derzeit in der Erzieherausbildung verankert? Bieten die neuen Studiengänge mehr als die klassische Ausbildung an den Fachschulen und Akademien?
Das ist meines Wissens bisher nicht bundesweit systematisch untersucht worden. Da sich aber die neuen Studiengänge zunehmend am Orientierungsrahmen "Frühpädagogik studieren" der Robert-Bosch-Stiftung orientieren, kann Medienpädagogik auch im Studium mehr an Bedeutung gewinnen. Im Baustein 22 heißt es dort: "Leben und Lernen in modernen Kommunikationsgesellschaften bedeutet Leben und Lernen in einer Medienwelt." Ob und inwiefern dies aber auch so geschieht, bleibt offen.
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Norbert Neuß ist Professor für Pädagogik der Kindheit/Elementarbildung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dort leitet er die Studiengänge "Bildung und Förderung in der Kindheit" (BA) und "Inklusive Pädagogik und Elementarbildung" (MA). Er ist Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (GMK). Einer seiner aktuellen Arbeitsschwerpunkte ist die Bildung in der frühen Kindheit.
- Fachtagung "Bildungsberufe im Wandel"
- Anmeldung zur Fachtagung (bis 07.09.2011)
- Website von Prof. Dr. Norbert Neuß
- Robert-Bosch-Stiftung: "Frühpädagogik studieren – ein Orientierungsrahmen für Hochschulen" (PDF)
- Blickwechsel – Verein für Medien- und Kulturpädagogik
- Interview mit Wassilios Fthenakis: "Eine Reform der Ausbildung ist unverzichtbar"
- BIBER – Netzwerk frühkindliche Bildung
[ Meldung vom 22.08.2011 ]





