"Gelebt werden muss Integration von jedem Menschen selber"
Gemeinsam mit der RTL-Journalistenschule veranstaltet das interkulturelle Online-Portal Mixopolis im Sommer einen Video-Workshop für Nachwuchsjournalisten. Peter Kloeppel, Chefredakteur von RTL, äußert sich im Interview mit dem Schulen-ans-Netz-Projekt zum Thema Medien und Integration.

RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel
Herr Kloeppel, Sie gelten in der Medienbranche – nicht zuletzt wegen mehrerer journalistischer Auszeichnungen wie dem Spezial-Grimme-Preis oder dem Bambi – als eine der herausragenden Persönlichkeiten. Welche Eigenschaften Ihrer Arbeit begeistern Sie auch nach Jahren Ihrer Tätigkeit?
Die Nachrichtenwelt sieht jeden Tag anders aus, und das macht unsere Arbeit so spannend! Wer neugierig und wissensdurstig ist, gerne mit Informationen, Menschen und Bildern zu tun hat, kann sich im Nachrichtengeschäft täglich neu beweisen. Mich begeistert aber auch die Zusammenarbeit mit allen Kolleginnen und Kollegen im News-Team – und sollte eine Sendung mal nicht ganz so gut gelungen sein, wie wir uns das wünschen, dann haben wir schon am nächsten Tag die Möglichkeit zu zeigen, dass wir es besser können.
Die berufliche und gesellschaftliche Förderung der Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist Ihnen ein Anliegen. Was wäre Ihre Vision einer gelungenen "Integration"? Welche Rolle können hierbei die digitalen Medien spielen?
Gelungene Integration ist dann erreicht, wenn das Zusammenleben und -arbeiten von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen zum Normalfall im Alltag geworden ist und keiner besonderen Hinweise mehr bedarf. Digitale Medien können dies unterstützen – gelebt werden muss Integration von jedem Menschen selber.
Mit dem Projekt "COM.MIT-Award" spricht Ihr Sender RTL die Zielgruppe der Schüler an und versucht Sie zu motivieren, ihre Erfahrungen im multikulturellen Alltag mit audiovisuellen Medien zu schildern. Medien – eine Möglichkeit Themen wie Integration, Migration und Interkulturalität den Jugendlichen besser zu vermitteln?
Für Jugendliche gehören Medien zum Alltag – sie bekommen aus ihnen Anregungen und Diskussionsstoff, sie lassen sich unterhalten und informieren. Und natürlich gelten viele der Menschen, die in den Medien auftreten, sei es als Schauspieler, Künstler oder Moderator, als Vorbilder. Diese Rolle, in der sie auch die Vorteile und Notwendigkeit von Integration herausstellen können und sollten, ist immens wichtig. Das sollten sich alle vor Augen halten, die in den Medien tätig sind.
War der Beruf des Journalisten seit jeher Ihr Traum? Ansonsten: Wo wäre Peter Kloeppel heute, wenn es nicht der Journalismus gewesen wäre?
Journalist wollte ich erst relativ spät werden, konkret mit 23 oder 24, als ich auf das Ende meines Studiums zusteuerte. Als Kind habe ich eher davon geträumt, Pilot oder Astronaut zu werden. Wenn es mit dem Journalismus nichts geworden wäre, dann hätte ich bestimmt auch einen spannenden Beruf gefunden, der mit meinem Studienfach Agrarwissenschaften zusammenhängt. Lehrer an einer Landwirtschaftsschule zum Beispiel, oder Forscher in einem Tierzuchtinstitut.
[ Meldung vom 21.07.2010 ]





