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Internet-Avantgarde trifft sich in Berlin

Auf der vierten re:publica in Berlin kamen wieder führende Blogger und Medienexperten zusammen, um die Zukunft des Internets zu erörtern. Erstmals widmete sich die Konferenz auch dem Einsatz von Web 2.0-Technologien in der Bildung.

Sascha Lobo Deutschlands wohl bekanntester Blogger

Sascha Lobo – Deutschlands wohl bekanntester Blogger

In den offenen Strukturen und Technologien, auf denen das heutige Internet basiert, sehen die Blogger seine Attraktivität. Diese Offenheit gilt es aber auch zu verteidigen, so der Tenor in vielen Diskussionsrunden der re:publica 2010, die mit einem neuen Besucherrekord aufwarten konnte: Über 2.500 Teilnehmende kamen diesmal nach Berlin-Mitte, um im Friedrichstadtpalast über Kommunikation und Partizipation im Web 2.0 zu sprechen. Wissenschaftliche Vorträge wechselten sich mit diskussionsfreudigen Workshops und nicht zuletzt auch spaßigen Showeinlagen wie Twitter-Lesungen ab. Sascha Lobo, Deutschlands wohl bekanntester Blogger, zeigte in seiner Präsentation nachdrücklich, dass das neue Internet viel Raum für Selbstdarstellung und –vermarktung bietet.

Internet: Gefährdete Freiheit?

Wo liegt die Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit? Erzeugt das Internet einen dauerhaften Zwang, sich selbst in Text und Bild darzustellen? Jeff Jarvis, amerikanischer Journalismus-Professor und Blogger-Ikone, gab auf der Konferenz eine für europäische Ohren eher irritierende Antwort: Man müsse sich einfach in die Öffentlichkeit hineinwagen, dann werde man Teil der Netzkultur. Letztendlich schwinde dann auch die Angst davor, Privates zu offenbaren. Dagegen konzentrierte sich Geert Lovink vom Institute of network cultures in Amsterdam in seinem Vortrag auf die Schattenseiten des neuen Internets. Suchmaschinen wie Google, so Lovink, ständen in Verdacht, einer umfassenden Nervosität den Weg zu bereiten. Der Mediennutzer sei ständig auf der Suche nach neuen Reizen, könne sich nicht mehr auf eine Sache konzentrieren. Selbst führende Köpfe der Ideenschmiede des Silicon Valley beklagten mittlerweile den Verlust an inhaltlicher Tiefe. Die Kultur des unbegrenzten Kombinierens von Texten, Tönen und Bildern verhindere möglicherweise eine wirkliche Kreativität. Doch Lovink warnte zugleich vor einer eindimensionalen Kritik an der neuen Netzkultur. Die Medienwissenschaft müsse in enger Zusammenarbeit auch mit Künstlern und Journalisten die Entwicklung vorurteilsfrei begleiten, um den Einfluss von Google & Co auf die Wissenskultur in ihrer Komplexität zu verstehen.  

Web 2.0 als Chance für eine neue Lernkultur?

"Während Kinder und Jugendliche heute Computer und Internet ganz selbstverständlich nutzen, reagieren die Älteren oft mit Skepsis und Ängsten auf diese Medienaffinität", kritisierte Johnny Haeusler, Blogger von Spreeblick.com und Mitgründer der re:publica. Doch dass in der Bildung zunehmend auch das Web 2.0 Anwendung findet, wurde unter dem Motto "re:learn" in Berlin diskutiert. André Spang, Lehrer an der Kaiserin Auguste Schule in Köln, stellte den Einsatz von Blogs und Wikis im Unterricht vor. Lisa Rosa, Web 2.0-Expertin vom Hamburger Landesinstitut für Lehreraus- und fortbildung, hat die Kölner Schule fachlich unterstützt. Sie sieht in Projekten wie diesen zugleich eine große Chance: "Veränderungen im Bildungssystem müssen nicht immer von oben kommen. Wenn Lehrkräfte aus eigener Initiative Wikis oder Blogs im Unterricht einsetzen, kann das auch zu einer nachhaltigen Transformation der Lernkultur beitragen", unterstrich Rosa.    

[ Meldung vom 16.04.2010 ]

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